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Urtikaria: Ursachen und Entstehung

Entstehung und Ursachen

Entgegen der weitverbreiteten Auffassung, die Urtikaria sei eine allergische Erkrankung, beruhen nach Schätzung der Europäischen Stiftung für Allergieforschung (ECARF) weniger als 10 % aller Urtikaria-Fälle auf einer allergischen Reaktion. Nur bei wenigen Patienten kommt es zu einer i. d. R. durch Antikörper des Typs Immunglobulin E (IgE) vermittelten Überreaktion des Immunsystems. Vielmehr ist die Nesselsucht häufig pseudoallergischer Natur – ihre Symptome entsprechen denen einer „echten“ Allergie, die Aktivierung der Mastzellen („Allergiezellen“) und die damit verbundene Ausschüttung des Entzündungsmediators Histamin erfolgt jedoch unspezifisch. Anders als bei einer Allergie vom IgE-vermittelten Sofort-Typ können sich Beeinträchtigungen hierbei mit einer zeitlichen Verzögerung einstellen. Auch wenn dies die Zuordnung der Urtikaria-Auslöser erschwert, sind nach Angaben der ECARF in den meisten Fällen Überempfindlichkeitsreaktionen, z. B. auf Arzneistoffe oder Lebensmittelzusätze, Unverträglichkeitsreaktionen auf körpereigene Stoffe sowie chronische Infekte – etwa im Verdauungstrakt – Ursachen der Nesselsucht.

Auslöser der akuten Nesselsucht

Als Auslöser der akuten Urtikaria gelten neben Arzneimittelsubstanzen vor allem natürliche Inhaltsstoffe von Lebensmitteln, z. B. Salizylsäure, die u. a. in Gewürzen bzw. Gewürzmischungen wie Curry, Paprikapulver, Rosmarin, Thymian, Oregano und Worcestersoße, aber auch in Ketchup und Tomatenmark, roten Beeren und grünen Oliven vorkommt. Eine Rolle scheinen aber auch sog. biogene Amine – organische Ammoniak-Abkömmlinge – wie Histamin oder Serotonin sowie ebenfalls in Lebensmitteln vorkommende natürliche Aromastoffe zu spielen.

Auslöser der chronischen Nesselsucht

Auch die chronische Urtikaria kann durch Salizylsäure, Amine und ggf. Aromastoffe ausgelöst werden. Doch vor allem Nahrungszusatzstoffe, die der Verbraucher auf Lebensmittelverpackungen anhand von verschiedenen E-Nummern erkennen kann, gelten als Auslöser der chronischen Krankheitsform. Hierzu zählen z. B. Geschmacksverstärker wie Glutamat (E 620), Süßstoffe (u. a. E 951 = Aspartam, E 952 = Cyclamat, E 954 = Saccharin), Konservierungsstoffe (u. a. E 200 = Sorbinsäure, E 210 = Benzoesäure, E 214 = PHB-Ester, E 280 = Propionsäure) und Farbstoffe sowie Antioxidanzien.

Physikalische Urtikaria

Anders als bei der chronischen treten bei der sog. physikalischen Urtikaria – auch Kontakturtikaria genannt – Quaddeln nur an denjenigen Körperpartien auf, die unmittelbar in Berührung mit dem jeweiligen Auslöser gekommen sind. Diese Form der Nesselsucht wird nicht durch allergene Substanzen, sondern durch physikalische Reize, denen die Betroffenen im Alltag ausgesetzt sind, ausgelöst. Hierzu zählen u. a. das Einwirken von Scherkräften auf die Haut (Urticaria factitia), z. B. durch das Tragen von enger Kleidung, Gürteln u. ä. sowie intensive Sonneneinstrahlung, Hitze (Wärmeurtikaria) und Kälte (Kälteurtikaria). Mediziner vermuten, dass diese Variante der Nesselsucht auf einem Fehler des histaminergen Systems beruht.

msf

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